Darum fiel am 9. November 1989 die Mauer so friedlich

Aus dem Buch «1989 Mauerfall Berlin – Zufall oder Planung?» von Michael Wolski https://www.1989mauerfall.berlin

Maßnahmen der sowjetischen Besatzungsmacht in der DDR (Westgruppe, GRU und KGB)

1. Aussetzung der Schusswaffengebrauchs-Bestimmung:
 April 89 - Bei Grenzdurchbrüchen an der DDR Westgrenze (durch den Warschauer Pakt).
 November 89 - Bei Unruhen/Aufruhr durch die Volkspolizei (auf „Bitten“ Gorbatschows).

Zu welchem Zweck?


Grundlage für den unblutigen Ablauf der Aktion Mauerfall. Voraussetzung für die, von der UdSSR seit 1986 geplante deutsche Einheit.Krenz musste nach Rückkehr vom Antrittsbesuch in Moskau am3.11.89 der Polizei diesen Befehl erteilen. Beide Befehle waren der Öffentlichkeit nicht bekannt.

2. 6.-13. November - Kasernierung der etwa 340.000 Soldaten der Westgruppe
der sowjetischen Streitkräfte in der DDR

Keine Deserteure bei der Grenzöffnung zu erwarten.
Jährlich versuchten 300-400 sowjetische Soldaten zu desertieren.
Am 3. August 1989 wurde der DDR-Grenzer Horst Hnidyk von einem sowjetischem Deserteur erschossen.

3. 9. 11. Einsatzbefehl für hochrangige ostdeutsche inoffizielle KGB und GRU Mitarbeiter
(IM).(1989: ca. 50.000 KGB und GRU IM in der DDR)

Übernahme der Weisungsmacht über Medien und der Befehlsgewalt über
Grenztruppen und Passkontrolleinheiten der Stasi am Abend der Grenzöffnung.

4. 9. 11. Pressekonferenz von SED Politbüro-Mitglied Schabowski,
Sekretär für Informationswesen zur Berichterstattung über die ZK-Sitzung und West Reiseregelungen.
 am Abend von 18:00-19:00 (dunkel, die Leute auf dem Weg nach Hause, viele schauten TV)
 Steuerung der Fragen/Antworten durch eingesetzte(n) Stichwortgeber
 trotz Zweifel an der Darstellung Schabowskis entschieden sich ADN-Chef und Pressesprecher der Regierung, Schabowskis Informationen für die Medien freizugeben.

Schabowski „verwechselte“ ständige Ausreise von DDR-Bürgern mit zeitweiliger Ausreise und antwortete auf die Frage, ab wann die neue Reiseregelung gilt: Ab sofort (was falsch war).
Die Medien berichteten darüber, im Osten ab 19:30 und im Westen ab20.00 Uhr.
Hunderte Menschen liefen zu den Berliner GÜST, in der Erwartung, dass sie geöffnet werden. Ständig kamen mehr Bürger zu den Grenzübergängen Berlins.

5. 9. 11. Verlängerung der ZK-Sitzung
Unter dem Vorwand der ausführlichen Diskussion der schlechten wirtschaftlichen Lage.
Ende erst kurz nach 20:30 (anstatt wie geplant um 18:00), danach Heimfahrt der Teilnehmer.
Bitte beachten: 1989 gab es noch keine Mobiltelefone! Einzelne ZK-Mitglieder waren dann ab etwa 22.30 über die Lage an der Grenze informiert. Zu spät, um die Entwicklungen zurückzudrehen.

Die Grenzer öffneten (um nicht totgetreten zu werden) gegen 22:00 zum Druckabbau die Tore für einzelne Personen.
Da der Druck aber zunahm und Antworten der Vorgesetzten im Lagezentrum weiter ausblieben, erfolgte Grenzöffnung für alle Bürger kurz nach 23:00.
Die 250 höchsten Partei und Staatsfunktionäre wurden in den für den Mauerfall entscheidenden Stunden total isoliert. Keine Befehle für die GÜST.

Weitere politische Entscheidungen Moskaus Aktion

I TV-Interview mit dem sowjetischen Gesandten um 23:45 am 9.11.1989. Der sowjetische Botschafter (der als Einziger in Berlin den Einsatzbefehl für die sowjetischen Streitkräfte in der DDR hätte weitergeben können) schlief schon. Er hatte kurz nach 20:00 ein Schlafmittel genommen

Aktion
Herunterspielen der Ereignisse, Zeit gewinnen, Ereignisse laufenlassen. Motto:
Das hat Zeit bis morgen früh. Keine Hektik. Am nächsten Morgen beglückwünschte Gorbatschow den ahnungslosen SED-Generalsekretär Krenz zu dessen weiser Entscheidung, die Grenze geöffnet zu haben.

II Vorab-Information an die US-Regierung über die Aktion Mauerfall.

Live-Berichterstattung einer US TV-Station von der Westseite des Brandenburger Tores gegen Mitternacht 9.11/10.11. zum Mauerfall.Die TV-Station war seit 7.11. aufgebaut.
Schabowski gewährte dem US-Journalisten als einzigem ein Interview nach der Pressekonferenz.2004: Der CIA Station Chief Bonn von 1990 berichtete, dass all die Jahre vor dem Mauerfall sich die Spitzen von KGB und CIA
regelmäßig in neutralen Ländern trafen.

Inhaltsverzeichnis

Teil I
Pressekonferenz, Mauerfall
und zehn Fragen
1.
Wie führte und kontrollierte die Sowjetunion hohe und höchste Funktionäre der DDR?
2.
Welche Aufgabe hatte die Öffnung der Westgrenze Ungarns im Sommer 1989 in Vorbereitung des Mauerfalls?
3.
Warum wurde der Mauerfall zum 9. November geplant?
4.
Warum musste die Pressekonferenz am Abend stattfinden?
5.
Warum durfte die ZK-Sitzung am 9. November nicht wie geplant gegen 18 Uhr zu Ende gehen?
6.
Wer war der Stichwortgeber und was stand auf dem Sprechzettel Schabowskis?
7.
Warum schossen die Grenzer nicht? Warum stempelten sie die Fotos im Personalausweis?
8.
Warum war der Übertragungswagen einer US-Fernsehstation seit dem 7. November auf der Westseite des Brandenburger Tors aufgebaut?
9.
Warum weckte niemand Gorbatschow an jenem Abend?
10.
Was hatte der Berliner Mauerfall mit dem Hitler-Stalin-Pakt von 1939 zu tun?
Teil II
Warum die Mauer fallen musste
1.
1968 - Breschnew-Doktrin und zunehmende innere Probleme der UdSSR und des Ostblocks
83
2.
1983 - Bericht einer Washingtoner KGB-Quelle zu Änderungen der Osteuropa-Politik der USA
88
3.
1985 - Amtsantritt Gorbatschows und Vorhersage des Rückzuges der Russen aus Osteuropa
90
4.
1986 - Beginn des Outsourcing der DDR und des Ostblocks durch die Sowjetunion
93
Teil III
Wladimir Semjonow
Sowjetischer Deutschland-Experte 1940-1991
1.
1940 - 1961
Deutsches Reich, Schweden, Sowjetische Besatzungszone (SBZ), DDR
97
2.
1978 - 1986, Außerordentlicher und Bevollmächtigter Botschafter der UdSSR in der Bundesrepublik Deutschland
112
3.
1986 - 1991, Sonderbotschafter der UdSSR mit Wohnsitz in Köln
118
Teil IV
DDR 1985-1989 und die Zeichen der Zeit
1.
Reaktionen der SED-Führung
126
2.
Gorbatschows Reformen lassen in Ostberlin bei Schalcks Kommerzieller Koordinierung die Kasse klingeln
128
3.
Markus Wolf ging schnell in den Ruhestand
130
Teil V
Finale
1.
Vernon Walters, Fachmann für Regime-Change, wurde Außerordentlicher und Bevollmächtigter Botschafter der USA in der Bundesrepublik Deutschland
134
2.
Semjonow und Walters - Die Totengräber der DDR?
138
Epilog
Abkürzungs- und Personenverzeichnis

Bibliographie

Link-Liste
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